KARL V. WESTERHOLT    Fotografie, Texte - künstlerische Arbeit                                                                       Kommentare/Presse  <  Der gelbe Fleck  <  Home 


graue Linie


Prof. Rolf Sachsse
RAUM-ANSICHTEN. DREI FOTOGRAFEN SEHEN ARCHITEKTUR.
Kunst bei Agiplan. Herbst 1990

Karl von Westerholt widmet sich nationalsozialistischen Bauten und vor allem deren inszenierten Raumeindrücken. Der Mensch als Gegenüber dieser Gebäude sollte klein gemacht werden, nichtswürdig erscheinen vor staatli­cher Gewalt und Macht. Aus historischem Abstand wird die Faszination dieses säkularisierten Sakralerlebens bildlich gefaßt: Nach oben fluchtende Perspektiv­linien deuten auf die Höhe der Bauten, wobei knapp angeschnit­tene Raumtiefen die Versperrung des Blicks nur noch betonen. Überplastisch gegebene Details aus dem Repertoire eines sinnentleerten Neo-Neo-Klassi­zismus werden mit Spuren der Verwitterung konterkariert, die eben nicht auf eine nationalsozialistische Ruinenideologie verweisen, sondern die inten­dierte Wirkung dieser Architektur aufheben. An diesen Lehrstücken zur fehlgelei­teten Wahrnehmung – politisch aktuell wie je – ist das kräftige Schwarzweiß der Fotografien wesentlich beteiligt, das gelegentlich durch dezidiert künstli­ches (Blitz-)Licht noch verstärkt wird. Versperrungen und Blitzlicht entstam­men einem visuellen Repertoire des Bildjournalismus, verweisen auf tabuisierte Bereiche der Wahrnehmung und damit auf jene Reste kollektiven Bewußtseins, derer wir uns immer wieder erinnern müssen, um positiv in die Zukunft arbeiten zu können.


Ulf Erdmann Ziegler
aus: JAHRESLABOR. EIN BERICHT.
Katalog, Berlin 1992

Das Bild, das Farben wiedergibt, aber eben nicht als Farben, ist vielleicht tief verwurzelt im Traum und hat eine heimliche Beziehung zu universeller Furcht oder konkreter Angst. Darauf rekurriert Karl v. Westerholt mit seiner stillen, strengen Schwarzweißphotographie. Bei grauem Himmel photographiert, den Blick meistens zum Boden gesenkt, wirken seine Orte sämtlich wie Tatorte. Oder sie sind es. Von Essen nach Berlin gekommen, suchte von Westerholt die Verliese, Hintertreppen und Protzarchitekturen der Nationalsozialisten auf: das Olympiastadion, einige Botschaften, den Flughafen Tempelhof, das Museum der Gestapokeller "Topographie des Terrors" neben dem Martin-Gropius-Bau. Wie unter Suchscheinwerfer erscheinen die Orte, von tiefen Schwärzen dominiert, in engen, sehr sorgfältig gebauten Bildern. Die Folge der Photographien bringt Karl v. Westerholt in einem handgemachten Buch unter und stellt sie eindringlichen Texten gegenüber, die – an ein "du" gerichtet – von schwer faßbaren Momenten der Verstrickung, der Schuld handeln. Dabei wird das potenziell literarische Leitmotiv der Bilder vom Text eher zurückgenommen als verstärkt; die gesamte Arbeit ist stark atmosphärisch, aber in ihrer Düsterheit überraschenderweise ganz untheatralisch. Und deshalb sehr anrührend.


DER GELBE FLECK
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